Der Begriff «Neger» stammt aus dem Lateinischen niger («schwarz») und gelangte über Spanisch, Portugiesisch und Französisch ins Deutsche. Schon im 18. Jahrhundert wurde er in Europa nicht nur zur Beschreibung einer Hautfarbe benutzt, sondern fest mit kolonialen Ausbeutungs- und Herrschaftsstrukturen verknüpft. Er war Teil einer Sprache, die Menschen aus Afrika und deren NachfahrInnen systematisch entmenschlichte und abwertete.
Zwar wurde «Neger» in früheren Jahrhunderten in vielen Texten scheinbar neutral verwendet, doch dieser vermeintliche «Neutralitätsstatus» war immer trügerisch: Er beruhte auf einer kolonial geprägten Weltsicht, in der Schwarze Menschen als minderwertig galten. Mit der Bürgerrechtsbewegung, antirassistischen Diskursen und wissenschaftlicher Aufarbeitung wurde der Begriff spätestens im 20. Jahrhundert als das erkannt, was er ist – eine rassistische Beleidigung. Heute ist er klar als diskriminierend markiert, und seine Verwendung signalisiert entweder Unwissen oder bewusste Provokation.
Ob absichtlich beleidigend gemeint oder nicht: Wer das Wort benutzt, reproduziert eine Sprache, die Menschen herabsetzt, ausgrenzt und eine jahrhundertelange Geschichte von Versklavung und Gewalt fortschreibt. Betroffene berichten übereinstimmend, dass das Wort verletzend wirkt – gerade weil es in ihrer eigenen Lebensrealität eng mit Diskriminierungserfahrungen verbunden ist.
Das Argument, das Wort sei «früher normal» gewesen, hält einer kritischen Betrachtung nicht stand. Auch früher wurde es als Abwertung empfunden – nur fehlte Betroffenen oft der gesellschaftliche Raum, um sich dagegen zu wehren. Die heutige Ablehnung ist keine Modeerscheinung, sondern Ausdruck eines gewachsenen Bewusstseins für Rassismus.
Wer respektvoll und diskriminierungsfrei sprechen will, vermeidet das Wort konsequent. Stattdessen gibt es präzise, wertfreie Alternativen wie «Schwarze Person» oder «Person of Colour». Diese Begriffe beschreiben, ohne zu entmenschlichen – und ohne eine koloniale Abwertungsgeschichte mitzutragen.
Der Sprachaufklärer meint
«Neger» ist kein «veraltetes Wort», das man aus nostalgischen Gründen retten sollte, sondern eine offen rassistische Vokabel. Wer es heute noch verwendet, setzt ein klares Zeichen – und dieses Zeichen steht gegen Respekt, gegen Gleichberechtigung und gegen eine inklusive Gesellschaft. Sprache formt Denken – und beim N-Wort ist die einzig vertretbare Entscheidung: es nicht in den Mund zu nehmen.
Der Duden rät
Auch der Duden apostrophiert den Begriff als «veraltet diskriminierend» und spricht Klartext: «Die Personenbezeichnungen Neger, Negerin sind stark diskriminierend und sollten vermieden werden. Alternative Bezeichnungen, die auch als Eigenbezeichnungen fungieren, sind Schwarzer bzw. Schwarze, Person of Color (im Singular) und People of Color (im Plural) sowie Schwarzer Mensch (mit grossgeschriebenem Adjektiv). In Deutschland lebende Schwarze wählen häufig die Eigenbezeichnung Afrodeutscher, Afrodeutsche.»
