«Raider» war einst ein bekannter Schokoriegel – doch der Begriff bezeichnet auch aggressiv agierende InvestorInnen: sogenannte Börsen-Raider. Das Wort steht damit zugleich für Süsswaren-Nostalgie und für wirtschaftliche Machtspiele. Seine doppelte Bedeutung erzählt viel über Sprache, Kapitalismus und Kultur.
Der Begriff «Raider» hat zwei sehr unterschiedliche Bedeutungsfelder: Als Markenname stand er für einen Schokoriegel, als wirtschaftlicher Fachbegriff bezeichnet er aggressive InvestorInnen. Diese Doppelrolle macht «Raider» zu einem sprachlich und kulturell aufschlussreichen Begriff.
In den 1960er-Jahren brachte Mars Inc. in der Schweiz und anderen Ländern den Schokoriegel «Raider» auf den Markt. Zwei Keksriegel mit Karamell und Schokolade – eine süsse Versuchung, die unter diesem Namen bis 1991 bekannt blieb. Dann wurde «Raider» durch die international etablierte Marke «Twix» ersetzt. Der Slogan «Raider heisst jetzt Twix – sonst ändert sich nix» wurde zum geflügelten Wort und Sinnbild für fragwürdige Umbenennungen.
Unabhängig davon existiert der Begriff «Raider» jedoch auch in der Wirtschaftssprache. Aus dem Englischen übernommen, bedeutet «corporate raider» wörtlich «Unternehmensplünderer». Gemeint sind InvestorInnen, die Firmenanteile aufkaufen, um Kontrolle über das Unternehmen zu gewinnen – meist gegen den Willen der bisherigen Führung. Ziel ist oft eine zerschlagende Reorganisation, um Teile des Unternehmens mit Gewinn weiterzuverkaufen. In den 1980er-Jahren wurde dieser Typus durch Figuren wie Carl Icahn oder T. Boone Pickens bekannt. Auch im deutschsprachigen Raum hat sich die Bezeichnung «Börsen-Raider» eingebürgert.
Interessanterweise gibt es zwischen beiden Bedeutungen keine direkte Verbindung – abgesehen von der englischen Wurzel «to raid» («überfallen», «plündern»). Während der Schokoriegel keine semantische Nähe zur Plünderung hatte, ist das wirtschaftliche «Raiden» ein bewusst negativ konnotierter Begriff. Wer heute von einem «Raider» spricht, meint entweder einen nostalgischen Snack – oder eine bedrohliche Figur im Finanzkapitalismus.
Der Sprachaufklärer meint
Verwenden Sie den Begriff «Raider» präzise: Als Markenname ist er historisch und nostalgisch, als wirtschaftlicher Fachbegriff hingegen eindeutig negativ besetzt. Besonders der Ausdruck «Börsen-Raider» sollte bewusst verwendet werden – er transportiert Kritik und warnt vor aggressiven Marktstrategien.
Der Duden rät
Der Duden führt «Raider» nicht als eigenständigen Eintrag. Der Ausdruck «Börsen-Raider» ist nicht verzeichnet, wird aber in der Wirtschaftspresse regelmässig gebraucht. Sprachlich bleibt «Raider» ein Lehnwort aus dem Englischen mit spezifischem Fachkontext.