Fake News

«Fake News» bezeichnet im Mediendiskurs bewusst verbreitete Falschmeldungen, die als Nachrichten getarnt sind und vor allem über soziale Medien manipulativ wirken. Der Ausdruck ist seit dem späten 19. Jahrhundert belegt – eine zunehmende Verbreitung ist ab 2016 feststellbar. In diesem Jahr wurden «Fake News» im Deutschen zum Anglizismus des Jahres gekürt. Heute steht der Begriff für politisch motivierte Desinformation.

Der Begriff «Fake News» stammt aus dem Englischen und setzt sich aus «fake» («Fälschung») und «news» («Nachrichten») zusammen. Der Duden empfiehlt die Schreibweise «Fake News», alternativ auch «Fakenews» oder «Fake-News». Gemeint sind damit insbesondere in Medien und Internet – besonders in Sozialen Netzwerken – verbreitete Falschmeldungen, die beabsichtigt manipulativ sind. Sie erwecken den Eindruck, echte, glaubwürdige Nachrichten zu sein, arbeiten mit reisserischen Schlagzeilen, gefälschten Bildern oder Behauptungen und verfolgen in der Regel politische, soziale oder wirtschaftliche Interessen. Der Unterschied zu journalistischen Fehlern besteht in der bewussten Täuschungsabsicht.

Obwohl der Begriff vergleichsweise jung ist, sind Phänomene von Falschmeldungen so alt wie die Geschichte selbst. Bereits 1274 v. Chr. stellte Pharao Ramses II. die verlustreiche Schlacht von Kadesch als grossen Sieg dar – ein frühes Beispiel für manipulative Geschichtsschreibung und Propaganda. Im 19. Jahrhundert tauchte der Begriff «fake news» erstmals ab etwa 1890 in Druckerzeugnissen auf. So findet er sich beispielsweise 1894 in der Zeitschrift American Historical Register, wo eine angeblich authentische, aber frei erfundene Geschichte über Napoleon erwähnt wurde.

Ein besonders spektakuläres Beispiel für frühe «Fake News» war der sogenannte «Great Moon Hoax» von 1835: Die amerikanische Zeitung «The Sun» veröffentlichte eine mehrteilige Artikelserie, in der behauptet wurde, der britische Astronom Sir John Herschel habe mithilfe eines riesigen Teleskops auf dem Mond eine blühende Zivilisation entdeckt. Es war die Rede von MondbewohnerInnen mit Fledermausflügeln, Tempeln aus Saphir und exotischen Tieren. Die Serie steigerte die Auflage der Zeitung enorm, wurde jedoch nie offiziell als Fälschung deklariert. Erst später kam ans Licht, dass es sich um eine bewusste Erfindung handelte – aus kommerziellem Interesse.

Im deutschen Sprachraum wurde der Begriff «Fake News» vor allem ab dem Jahr 2016 bekannt und relevant. Damals wählte ihn eine Jury aus SprachwissenschaftlerInnen zum «Anglizismus des Jahres», weil er eine semantische Lücke schliesst: Während Begriffe wie «Falschmeldung» oder «Zeitungsente» auch unbeabsichtigte Fehler umfassen, bezeichnet «Fake News» ausschliesslich gezielte Desinformation.

Eine besondere Wendung nahm der Begriff durch den früheren US-Präsidenten Donald Trump. Dieser verwendet «Fake News» als politische Waffe, um kritische Berichterstattung über seine Person pauschal zu diskreditieren. Gleichzeitig streut er selbst nachweislich Falschinformationen – etwa über die Wahlfälschung 2020 oder über medizinische Empfehlungen während der Corona-Pandemie. Diese doppelte Strategie – Anklage und Produktion von Fake News zugleich – gilt als besonders perfide Form der Desinformationspolitik, weil sie das Vertrauen in unabhängige Medien systematisch untergräbt.

In Zeiten digitaler Kommunikation verbreiten sich Fake News besonders leicht – oft schneller als seriöse Informationen. Algorithmen sozialer Netzwerke befördern Inhalte, die stark emotionalisieren oder polarisieren. Dadurch gelangen Falschmeldungen rasch in grosse Umlaufbahnen. Die Folgen sind mitunter dramatisch: So kam es in Indien aufgrund falscher Kindesentführungsgerüchte via WhatsApp zu Lynchmorden, im Iran starben während der Corona-Pandemie hunderte Menschen nach dem Konsum von Methanol, das angeblich gegen das Virus helfe. Auch wirtschaftliche Schäden sind dokumentiert – etwa als der Aktienkurs des französischen Baukonzerns Vinci 2016 durch eine gefälschte Pressemitteilung um 18 Prozent einbrach.

Um dem entgegenzuwirken, arbeiten JournalistInnen und ForscherInnen mit Strategien wie dem sogenannten Debunking (gezielte Widerlegung), Prebunking (präventive Aufklärung) und systematischem Fact-Checking. Institutionelle Gegenmassnahmen gibt es ebenfalls: In der EU ist die Arbeitsgruppe «East StratCom» tätig, in Deutschland wurde das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) eingeführt. Allerdings stehen solche Massnahmen in einem Spannungsfeld mit der Meinungsfreiheit.

Der Sprachaufklärer meint

Der Begriff «Fake News» kann problemlos benutzt werden – achten Sie aber auf eine präzise Verwendung: Gemeint sind bewusst verbreitete, falsche Nachrichten, nicht einfach ungewollte journalistische Ungenauigkeiten oder Fehler.

Helfen Sie mit, Fake News zu bekämpfen. Denunzieren SIe «Fake News». Fördern Sie Medienkompetenz – zum Beispiel durch Aufklärung über typische Erkennungsmerkmale wie reisserische Sprache, fehlende Quellen oder emotional aufgeladene Bilder.

Der Duden rät

Der Duden definiert «Fake News» als «in den Medien und im Internet, besonders in sozialen Netzwerken, in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen». Die empfohlene Schreibung ist «Fake News», alternativ «Fakenews» oder «Fake-News».

27. September 2025

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