Sprachaufklärer

Alltagssprache und Redewendungen kurz erklärt

Eskimo

Der Begriff «Eskimo» wurde lange als Sammelbezeichnung für indigene Völker der Arktis verwendet. Heute gilt er vielerorts als problematisch, da er koloniale Fremdbezeichnungen fortführt und insbesondere in Kanada und Grönland von vielen Betroffenen abgelehnt wird. Stattdessen werden Eigenbezeichnungen wie «Inuit» oder «Yupik» bevorzugt. Die sprachliche Entwicklung zeigt exemplarisch, wie stark Machtverhältnisse Bezeichnungen prägen.

Das Wort «Eskimo» stammt nicht aus den Sprachen der so bezeichneten Bevölkerungsgruppen selbst. Seine Herkunft ist nicht restlos geklärt, doch viele SprachwissenschafterInnen führen es auf ein Wort aus einer algonkinsprachigen Gruppe zurück. Lange hielt sich die Annahme, es bedeute «Rohfleischesser». Diese Deutung gilt heute als überholt. Der Linguist Ives Goddard erklärte bereits 1978, die verbreitete Übersetzung sei «sprachlich nicht haltbar» (Goddard, Smithsonian Institution). Wahrscheinlicher ist eine Bedeutung wie «Schneeschuhflechter», was den Begriff weniger abwertend erscheinen lässt, jedoch nichts daran ändert, dass es eine Fremdbezeichnung bleibt.

Im 19. und 20. Jahrhundert verbreitete sich «Eskimo» durch europäische ForscherInnen, Kolonialverwaltungen und ethnologische Literatur. Der Begriff diente als Sammelbezeichnung für unterschiedliche Völker in Alaska, Kanada und Grönland, obwohl diese kulturell und sprachlich nicht einheitlich sind. Solche pauschalen Fremdbezeichnungen vereinfachten die koloniale Verwaltung und Wissenschaft, ignorierten jedoch Selbstverständnis und Vielfalt der Gemeinschaften.

Seit den 1970er-Jahren lehnen viele Betroffene den Begriff ab. Besonders in Kanada und Grönland wird stattdessen «Inuit» verwendet, was in der eigenen Sprache schlicht «Menschen» bedeutet. Organisationen indigener Gemeinschaften betonen, dass Eigenbezeichnungen Ausdruck kultureller Identität und politischer Selbstbestimmung sind. Die Inuit-Aktivistin Mary Simon erklärte dazu: «Wir wollen so genannt werden, wie wir uns selbst nennen» (Inuit Tapiriit Kanatami, 1993).

Allerdings ist die Lage regional unterschiedlich. In Alaska etwa bezeichnen sich einige Gruppen weiterhin als «Eskimo», weil «Inuit» nicht alle dortigen indigenen Völker einschliesst. Yupik-Gruppen sind kulturell eigenständig und sehen sich nicht als Inuit. Deshalb kann «Eskimo» in bestimmten geografischen Kontexten weiterhin als Sammelbegriff vorkommen, während er in anderen Regionen klar als unangemessen gilt.

Sprachlich zeigt der Begriff ein typisches Muster kolonialer Benennung: Eine dominante Aussenperspektive setzt sich durch, während Eigenbezeichnungen verdrängt werden. Solche Fremdbenennungen können abwertende Konnotationen entwickeln, selbst wenn ihre ursprüngliche Bedeutung neutral war. Heute wird «Eskimo» daher häufig als kolonial geprägt und respektlos wahrgenommen.

Moderne Sprachleitfäden, ethnologische Fachgesellschaften und Bildungsinstitutionen empfehlen überwiegend, präzisere Eigenbezeichnungen zu verwenden. Diese Praxis entspricht dem Grundsatz, Gruppen so zu benennen, wie sie sich selbst definieren. Sprache transportiert gesellschaftliche Werte – und respektvolle Bezeichnungen sind Ausdruck von Anerkennung.

Der Sprachaufklärer meint

Verwenden Sie möglichst die Eigenbezeichnungen der jeweiligen Bevölkerungsgruppen, etwa «Inuit» oder «Yupik». Vermeiden Sie «Eskimo» in allgemeinen Kontexten, da Betroffene den Begriff als fremdbestimmt empfinden. Achten Sie besonders in Bildung und Medien auf respektvolle und präzise Bezeichnungen.

Der Duden rät

Der Duden vermerkt, dass «Eskimo» als Sammelbezeichnung für arktische Bevölkerungsgruppen gebraucht wird, weist jedoch darauf hin, dass der Begriff gelegentlich als «diskriminierend» empfunden wird. Empfohlen werden differenzierende Bezeichnungen wie «Inuit» oder die Nennung der jeweiligen Volksgruppe.

29. Juni 2026

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