Weltkrieg

Der Begriff «Weltkrieg» ist in unserem kollektiven Gedächtnis tief verankert. Meist steht er klar für die beiden grossen Kriege des 20. Jahrhunderts, 1914–1918 und 1939–1945. Doch Sprache ist nie neutral – und gerade bei historisch belasteten Begriffen wie dem «Weltkrieg» lohnt sich ein genauer Blick.

Die Bezeichnung «Weltkrieg» wurde erst nachträglich etabliert. Während der beiden Kriege selbst sprachen ZeitgenossInnen häufig von «dem grossen Krieg» oder «dem Krieg in Europa». Erst aus der Rückschau wurde der globale Charakter betont – und dabei auch Regionen mit einbezogen, die militärisch kaum beteiligt waren. Der Begriff kann also eine umfassendere Beteiligung suggerieren, als historisch zutraf.

Tatsächlich waren die beiden Weltkriege nicht «weltumspannend» im Sinne einer gleichmässigen Betroffenheit aller Kontinente. Viele Regionen der Erde waren nicht direkt Kriegsschauplatz. Der Ausdruck kann damit eine falsche Vorstellung von der geografischen Ausdehnung erzeugen.

«Weltkrieg» hat überdies eine enorme emotionale Sprengkraft. Wer ihn in aktuellen Debatten verwendet, kann gezielt Angst erzeugen oder ein Bedrohungsszenario verstärken. So kann der Begriff bewusst als rhetorisches Mittel genutzt werden, um Zustimmung für politische oder militärische Massnahmen zu gewinnen.

Letztlich ist das Wort untrennbar mit Bildern von totalem Krieg, Massenvernichtung und gesellschaftlichem Zusammenbruch verbunden. Wer es ausserhalb des historischen Bezugsrahmens nutzt – etwa für hypothetische Konflikte – läuft Gefahr, unnötig zu dramatisieren.

In der Geschichtswissenschaft bleibt «Erster Weltkrieg» und «Zweiter Weltkrieg» die gängige Bezeichnung für diese historischen Ereignisse. Viele HistorikerInnen verzichten jedoch auf die Verwendung des Begriffs «Weltkrieg». Sie argumentieren, dass die Ausbreitung des Kriegs nicht weltumspannend gewesen sei. Gemäss anderen HistorikerInnen liegt ein «Weltkrieg» vor, wenn mindestens fünf grössere Mächte beteiligt sind und auf mindestens zwei Kontinenten gekämpft wird.

In gewissen Kontexten können präzisere oder neutralere Formulierungen helfen, Missverständnisse zu vermeiden: «zweiter grosser Krieg» oder «Krieg in Europa». Ab und an liest man auch «Hitlers Krieg» oder die konkrete Benennung des Zeitraums und der beteiligten Regionen.

Der Sprachaufklärer meint

«Weltkrieg» ist ein klarer, historisch etablierter Begriff – aber kein unverfänglicher. Wer ihn nutzt, sollte wissen, dass er mehr transportiert als nur eine chronologische Einordnung. Sprache prägt, wie wir Geschichte verstehen und aktuelle Entwicklungen bewerten. Gerade deshalb ist ein kritischer Blick wichtig.

Der Duden rät

Der Duden hält keine besondere Empfehlung zur Verwendung bereit. Er definiert den Begriff «Werltkrieg» so: «Krieg, an dem viele Länder der Welt, besonders die Grossmächte beteiligt sind.»
Side-Fact: Das Wort stand 1929 erstmals im Rechtschreibduden.

9. August 2025

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