«Kollateralschaden» klingt nüchtern-technisch, beschreibt aber meist menschliche Tragödien. Der Begriff stammt aus dem US-Militärjargon und bezeichnet unbeabsichtigte, aber in Kauf genommene Schäden bei militärischen Operationen – oft mit zivilen Opfern.
Der Ausdruck «Kollateralschaden» ist eine Übersetzung des englischen «collateral damage» und stammt ursprünglich aus dem militärischen Fachjargon der Vereinigten Staaten. Er tauchte in dieser Form in den 1960er-Jahren im Pentagon auf und wurde in Berichten über den Vietnamkrieg verwendet. «Collateral» bedeutet im Englischen «nebensächlich» oder «begleitend», «damage» schlicht «Schaden».
Während der Golfkriege (1991 und 2003) fand der Begriff über die internationale Berichterstattung Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch. Er wurde vor allem in Pressekonferenzen und offiziellen Statements genutzt, um zivile Opfer oder die Zerstörung ziviler Infrastruktur als «begleitende» und somit unvermeidbare Nebenfolgen militärischer Einsätze darzustellen. Diese sprachliche Verpackung wirkt beschwichtigend: Anstelle von «getöteten ZivilistInnen» oder «zerstörten Wohnhäusern» spricht man von einem «Schaden» – ein abstrakter, unpersönlicher Begriff, der Distanz schafft.
KritikerInnen, darunter LinguistInnen wie Noam Chomsky, sehen darin ein typisches Beispiel für «doublespeak» – also eine Sprache, die durch Beschönigung oder Verschleierung den moralischen Gehalt einer Aussage verändert. Der Begriff ist deshalb nicht nur sachlich, sondern auch politisch hochgradig aufgeladen. In der zivilen Verwaltung und Wirtschaft wird «Kollateralschaden» bisweilen in übertragenem Sinn gebraucht, etwa für unerwünschte Nebenwirkungen von Entscheidungen. Auch hier dient er oft der Verharmlosung.
Der «Kollateralschaden» war 1999 Unwort des Jahres in Deutschland – ein Jahr später erschien der Begriff erstmals im Rechtschreibduden.
Der Sprachaufklärer meint
«Kollateralschaden» ist ein euphemistischer Fachausdruck, der die Realität mildert und verschleiert. Wer präzise und transparent kommunizieren will, sollte konkret benennen, was geschehen ist: «zivile Opfer», «zerstörte Infrastruktur» oder «wirtschaftliche Folgen».
Der Duden rät
Der Duden erklärt «Kolletaralschaden» einzig im militärischen Sinn: «bei einer militärischen Aktion entstehender [schwererer] Schaden, der nicht beabsichtigt ist und nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ziel der Aktion steht, aber dennoch in Kauf genommen wird»
