Der Begriff «LappländerIn» wirkt auf den ersten Blick neutral – er bezeichnet vermeintlich Menschen aus Lappland. Doch hinter der Bezeichnung steckt eine lange Geschichte von Fremdzuschreibungen und kolonialen Blickwinkeln. Heute gilt der Ausdruck zunehmend als problematisch, da er die tatsächliche Selbstbezeichnung der betroffenen Bevölkerungsgruppe ignoriert und historisch belastet ist.
«LappländerIn» leitet sich vom geografischen Begriff «Lappland» ab, einer Region im Norden von Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Der Ausdruck wurde insbesondere von Aussenstehenden geprägt und verbreitet. Historisch bezeichnete er die indigene Bevölkerung dieser Region – allerdings aus einer Perspektive, die nicht deren eigene war.
Die Sprach- und kulturwissenschaftliche Literatur beschreibt die koloniale Geschichte dieser Begriffe und den Zusammenhang mit stereotypisierenden, herabwürdigenden Vorstellungen (z.B. Herkunft aus Wörtern für «Flicken, Lumpen», «Grenzgebiet», «Wilder Norden»). Allerdings ist nicht jede Verwendung von «LappländerIn» automatisch als Beleidigung gemeint, die Bezeichnung gilt jedoch aufgrund ihrer Geschichte und der Ablehnung durch viele Sámi heute meist als unsensibel oder veraltet.
Die betroffene Bevölkerungsgruppe nennt sich selbst «Sámi». Dieser Begriff ist sowohl Eigenbezeichnung als auch politischer Ausdruck von Identität und kultureller Zugehörigkeit. Die Verwendung von «LappländerIn» wird hingegen zunehmend kritisch gesehen. Der Grund liegt unter anderem darin, dass das Wort «Lappe» im Skandinavischen und Deutschen über Jahrhunderte hinweg abwertend gebraucht wurde. Sprachwissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass der Begriff mit stereotypen Vorstellungen und kolonialen Zuschreibungen verbunden ist (vgl. Harald Gaski, «The Sami People», 2008).
Während «Lappland» als geografische Bezeichnung weiterhin gebräuchlich ist, wird «LappländerIn» als Personenbezeichnung vermieden. Dies entspricht einer allgemeinen Entwicklung im Umgang mit indigenen Bevölkerungen: Fremdbezeichnungen werden durch Selbstbezeichnungen ersetzt. Ähnlich wie bei anderen indigenen Gruppen weltweit gilt dies als Ausdruck von Respekt und Anerkennung kultureller Selbstbestimmung. Allerdings wird die Diskussion um «Lapland/Lappland» als Regionsname in Teilen der Sámi-Community ebenfalls geführt, auch wenn der Name in staatlichen Kontexten weiterhin offiziell ist.
Heute verwenden offizielle Institutionen, Medien und wissenschaftliche Publikationen bevorzugt den Begriff «Sámi». Auch politische Organisationen der Sámi selbst lehnen die Bezeichnung «LappländerIn» ab. Die Verwendung kann daher als unsensibel oder veraltet wahrgenommen werden.
Es gilt allerdings zu unterscheiden: Nicht alle Menschen, die in Lappland leben, sind Sámi. Der Begriff «LappländerIn» suggeriert jedoch genau diese Gleichsetzung – was zusätzlich zur Problematik beiträgt.
Der Sprachaufklärer meint
Verzichten Sie auf den Begriff «LappländerIn», wenn Sie die indigene Bevölkerung meinen. Verwenden Sie stattdessen «Sámi», da dies die korrekte Selbstbezeichnung ist. Achten Sie darauf, geografische und ethnische Begriffe nicht zu vermischen.
Der Duden rät
Der Duden führt «Lappländer, der» als «Bewohner Lapplands» auf, ohne expliziten Hinweis auf die Problematik des Begriffs. Im Online-Eintrag steht lediglich «Einwohnerbezeichnung» bzw. «Bewohner Lapplands».