Der Begriff «Tohuwabohu» bezeichnet ein grosses Durcheinander oder Chaos. Ursprünglich stammt er aus dem Hebräischen und wurde in der deutschen Sprache übernommen. Heute wird er in Alltagssituationen gelegentlich verwendet – doch lohnt es sich, seinen Ursprung und Gebrauch genauer zu betrachten.
Der Ausdruck «Tohuwabohu» geht auf das hebräische Wortpaar תֹּהוּ וָבֹהוּ (tōhū wā‑bōhū) zurück, das im Buch 1. Mose (Genesis) 1, 2 im alten Testament auftaucht. Dort heisst es etwa: «Die Erde war wüst und leer.» Tōhū bedeutet dabei «Leere», «Wüste», «Unordnung», bōhū steht ähnlich für «Leere», «Verlassenheit». In der deutschen Form wurde daraus «Tohuwabohu», oft im Sinne von «wirres Durcheinander», «Chaos».
Im Deutschen ist «Tohuwabohu» seit dem späten 18. oder 19. Jahrhundert nachweisbar als Ausdruck für Chaos und Unordnung. Heute spricht man etwa von «dem ganzen Tohuwabohu», wenn überall Unordnung herrscht oder vieles gleichzeitig durcheinanderläuft. Synonyme umfassen etwa «Durcheinander», «Wirrwarr», «Chaos», «Unordnung».
Der Begriff ist sprachlich solide und kann durchaus verwendet werden – insbesondere wenn man einen gehobenen oder bildhaften Stil bevorzugt. Allerdings gibt es zwei Aspekte, die bedacht werden sollten:
- Bildungssprachlicher Charakter: «Tohuwabohu» wirkt stilistisch gehoben oder literarisch und weniger umgangssprachlich als etwa «Chaos» oder «Durcheinander». Wer im formellen Kontext schreibt oder spricht, kann den Begriff mit Wirkung einsetzen. In sehr informellen Situationen wirkt er hingegen mitunter etwas überholt oder ironisch.
- Bewusstsein für Herkunft: Da der Begriff biblische Wurzeln hat, könnte es sinnvoll sein, sich bewusst zu machen, dass er ursprünglich einen kosmischen Urzustand beschreibt – gleichsam den vorgeordneten chaotischen Zustand der Erde vor der göttlichen Ordnungsschöpfung. Das ist weitaus grösser und umfassender als ein kleines Missgeschick. Wer also präzise formulieren will, sollte prüfen: Ist «Durcheinander» ausreichend oder passt die starke Konnotation von «Tohuwabohu» wirklich zur Situation?
Der Begriff «Tohuwabohu» ist also weiterhin adäquat – wenn bewusst eingesetzt und der Stil stimmt. Wird er jedoch inflationär oder ohne Bewusstsein verwendet, kann er aufgesetzt wirken und sich abnützen.
Der Sprachaufklärer meint
Sie können «Tohuwabohu» durchaus verwenden, wenn Sie ein starkes Bild von chaotischem Durcheinander erzeugen wollen. Achten Sie jedoch darauf, ob die Stilform zur Text- oder Sprechsituation passt – in sehr lockerer Alltagssprache kann oft ein einfaches «Chaos» oder «grosses Durcheinander» ausreichend sein. Wenn Sie ihn verwenden, kann eine kurze Kontextangabe sinnvoll sein (z.B: «… im ganzen Tohuwabohu der Vorbereitungen …») – so wirkt das Wort klarer und nicht übertrieben.
Der Duden rät
Der Begriff «Tohuwabohu» wird im Duden wie folgt beschrieben: Herkunft: hebräisch tōhû wā vohû = «Wüste und Öde», nach der lutherschen Übersetzung des Anfangs der Genesis (1. Mose 1,2). Plural: die Tohuwabohus.
