«Mongoloid» war früher ein medizinisch‑anthropologischer Fachbegriff, der sowohl rassistische Klassifikationen (wie «die mongoloide Rasse») als auch die Bezeichnung für Menschen mit Down‑Syndrom umfasste. Heute gilt der Begriff als diskriminierend und veraltet – keinesfalls mehr angemessen.
Der Begriff «Mongoloid» entstammt einer historisch rassistisch geprägten Klassifikation des Menschen. Seit dem späten 18. Jahrhundert entwickelten WissenschafterInnen wie Christoph Meiners und Johann Friedrich Blumenbach die Einteilung in sogenannte «Rassen» – darunter «Mongoloid», «Caucasoid» und «Negroid». Blumenbach verwendete den Begriff «Mongoloid», um menschliche Populationen im asiatischen Raum zu kategorisieren, betonte aber, dass solche Rasseneinteilungen willkürlich und graduell seien. Später wurde der Begriff in kolonialen und pseudowissenschaftlichen Kontexten instrumentalisiert, um rassistische Hierarchien zu legitimieren – etwa durch Carleton S. Coon oder Eugen-ForscherInnen im 19. und 20. Jahrhundert.
Parallel dazu wurde «Mongoloid» bis ins 20. Jahrhundert auch als veraltete medizinische Diagnose für das aus der Genetik bekannte Down‑Syndrom verwendet. Der britische Arzt John Langdon Down prägte den Begriff, weil er bestimmte physische Ähnlichkeiten (etwa epikanthische Lidfalte) mit den asiatischen Populationen assoziierte. Die Bezeichnung war rassistisch belastet und wissenschaftlich unhaltbar. 1961 forderten genetische Fachleute in einem Brief an «The Lancet» den Verzicht auf «Mongoloidismus» – ebenso reagierte die WHO auf eine Bitte der MVR (Mongolische Volksrepublik), und 1965 wurde der Begriff offiziell verboten. Stattdessen etablierte sich «Down‑Syndrom» bzw. «Trisomie 21».
Heute gelten beide Verwendungen von «Mongoloid» als völlig inakzeptabel: Die rassistische Gruppierung ist wissenschaftlich überholt und sozial schädlich, und die medizinische Verwendung ist nicht nur fachlich falsch, sondern auch ethisch verletzend und diskriminierend. In Forensik und Recht findet sich der Begriff glücklicherweise kaum mehr, wenn überhaupt dann nur in historischen Kontexten.
Das Wort verdeutlicht, wie Sprache zur Stigmatisierung beitragen kann – sei es durch pseudowissenschaftliche Rassenklassifikationen oder durch die Pathologisierung von Menschen mit Behinderungen. Besonders deutlich zeigt sich dies in historischen medizinischen Fehlbezeichnungen, die längst durch neutrale und respektvolle Begriffe ersetzt wurden.
Der Sprachaufklärer meint
Verwenden Sie «Mongoloid» keinesfalls – weder in historischen noch in aktuellen Kontexten. Verwenden Sie stattdessen klare, respektvolle und wissenschaftlich korrekte Begriffe: «Down‑Syndrom» oder «Trisomie 21». Auch «Rassismus» statt «Rassen».
Die heutige Wissenschaft lehnt rassistische Klassifikationen wie «mongoloid» ausdrücklich ab und anerkennt stattdessen die menschliche Vielfalt ohne starre Kategorien.
Der Duden rät
Der Duden führt den Begriff «Mongoloid» nur in historischen oder linguistischen Zusammenhängen – als Fremdwort mit Herkunft aus der rassistischen Anthropologie und bezeichnet es inzwischen als «veraltend, heute diskriminierend».
Die medizinische Variante «Mongolismus» wird mit folgendem Hinweis geführt: «Die Bezeichnungen ‹Mongolismus› und ‹Mongoloidismus› sind veraltet und gelten heute als diskriminierend. Sie wurden deshalb im öffentlichen Sprachgebrauch weitgehend durch den Begriff ‹Downsyndrom› ersetzt, fachsprachlich wird auch ‹Trisomie 21› verwendet.»
